„Der persönliche Arztkontakt wird an Wichtigkeit nicht verlieren.“

Klostergespräch mit Dr. Martin Busse

Gleichzeitig würde mit Gewissheit alles digitalisiert, was digitalisiert werden kann, weshalb der Arzt über digitale Kompetenz verfügen müsse. Realität sei die
Online-Sprechstunde und die digitale Terminvergabe. Dr. Busse betonte in diesem Zusammenhang: „Der persönliche Arztkontakt wird an Wichtigkeit aber nicht verlieren.“
Spannend wurde der Vortrag erneut bei Dr. Busses Ausführungen zur demografischen Entwicklung und die damit einhergehenden Folgen. Durch den medizinischen Fortschritt
und die gute gesundheitliche Versorgung bei gleichzeitigem Rückgang der Sterblichkeit durch entsprechende Vorsorge und weniger Belastungen, wie sie früher durch Arbeit,
Hunger oder Krieg verursacht wurden, steige unsere Lebenserwartung ständig an. Lag die Lebenserwartung Mitte des letzten Jahrhunderts bei 60 Jahren, so werden Frauen
heute 83 und Männer 78 Jahre alt. Dr. Busse ließ wissen, dass ein Kind, das 2010 geboren wurde, mit fünfzig prozentiger Wahrscheinlichkeit 100 Jahre alt werde.
Die Auswirkungen auf das Gesundheitssystem sieht Dr. Busse nicht so dunkel, wie es bei stärkerer Inanspruchnahme von Leistungen mit zunehmendem Alter geschehen könnte.
Er schließt sich gern der „Kompressionshypothese“ an. Sie geht davon aus, „dass die zusätzlichen Lebensjahre in vergleichsweise guter Gesundheit verbracht werden und sich
die Erkrankungen nach hinten verschieben“, so Dr. Busse.
Eine besondere Herausforderung bilde aber das gleichzeitige Bestehen mehrerer Erkrankungen (Multimorbidität) im hohen Alter, trug Dr. Busse vor. Es reduziere sich die Lebensqualität, es erhöhe sich die Mortalität und ebenfalls steige die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen. Der Arzt müsse dann mit dem Patienten im vertrauensvollen Einvernehmen die Vorrangigkeit von Behandlungszielen festlegen, führte der Arzt aus. Bei diesen Entscheidungen sollten Partner, Angehörige oder Pflegende nach den Wünschen des Patienten eingebunden werden.

Dr. Busse stellte zum Abschluss seines Vortrages noch einmal heraus, dass der gesamte wissenschaftliche Fortschritt und die digitale Revolution sowie die Alterung der
Gesellschaft und die Ökonomisierung im Gesundheitswesen das Vertrauensverhältnis der persönlichen Arzt-Patienten-Beziehung als Grundlage der hausärztlichen Tätigkeit auf keinen Fall ersetzen könne.

Die Glocke am 15.03.2019 [216.0 KByte]